Luchs bei Hanau identifiziert

Der Luchs, der seit Januar öfter am Wildpark „Alte Fasanerie“ bei Hanau gesehen wurde, konnte durch eine Genprobe identifiziert werden. Laut Forschungsinstitut Senckenberg handelt es sich um ein männliches Tier, das der Harz-Population entstammt. Der wildlebende Kuder erhielt zunächst die Laborkennung LL214m. Ein erneuter Datenabgleich ergab mittlerweile, dass es sich um den Harzluchs M12 handelt, der bereits 2018 in Hessen unterwegs und weiter nach Baden-Württemberg gewandert war. Offenbar ist er wieder zurück. Ende Februar war das Tier im Wildpark in eine Lebendfalle gegangen. Das Fanggerät hatte die Parkverwaltung im Mufflon-Gatter installiert, nachdem dort ein gerissenes Wildschaf entdeckt worden war.

Luchs in Lebendfalle (Foto: Wildpark Hanau)

So sollte geklärt werden, ob es sich bei dem umherstreifenden Tier womöglich um jenen Gehege-Luchs handelt, der vor Jahren nach einem Sturmschaden entlaufen und nie wieder aufgetaucht war.

Das Tier in der Falle hatte allerdings keine Ähnlichkeit mit dem einstigen Fasanerie-Bewohner. Der offenkundig fremde Luchs ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Für die Rehe und Mufflons in den Gattern des Wildparks ist das keine gute Nachricht.

Vermutlich dasselbe Tier wurde bereits im Januar im Umfeld der „Alten Fasanerie“ von zwei Fotofallen erfasst. Da deren Standort vom zuständigen Luchsbeauftragten bestätigt wurde, gelten die Fotos als C1-Nachweis.

Luchs in Fotofalle bei Dunkelheit (Foto: Thomas Sturm), Standort bei Tag (Foto: Andreas Höfler/Hessenluchs)
Bilder aus Fotofallen bei Hanau und deren Standort bei Helligkeit.

Der Totfund eines Schafes Ende Januar in einem nahen Gartenareal konnte allerdings keinem eindeutigen Fressfeind zugeordnet werden, da der Vorfall erst bekannt wurde, als der Kadaver längst entsorgt war. Daher ist ein Luchs nicht auszuschließen, aber auch nicht zu belegen.

Im Februar wurde der Luchs dann auf kurze Distanz in Schrebergärten und in einer nahegelegenen Siedlung beobachtet, wo er in der Morgendämmerung auf einer Gartenbank saß. Wegen seines gelassenen Umgangs mit Menschen kam bald der Verdacht auf, das Tier sei aus dem benachbarten Wildpark entkommen. Die Parkleitung versicherte aber glaubhaft, dass ihre sieben Gehege-Luchse weiterhin vollzählig zur Fütterung erscheinen.

Es ist naheliegend, dass die Luchse im Wildpark in der Paarungszeit für ein durchziehendes Tier attraktiv sind und es womöglich auch schon zu amourösen Kontakten kam. Das Parkpersonal bemerkte jedenfalls eine gewisse Unruhe in und um das Luchsgehege.

Die geringe Distanz des „Hanauer Luchses“ zu Anwohnern ist kein zwingender Beweis für ein Vorleben in Gefangenschaft. Die in Freiheit aufgewachsenen Harzluchse „M2“ und „M9“, die auch in Hessen längere Zeit unterwegs waren, zeigten sich bei Nahkontakten mit Spaziergängern ähnlich entspannt. So bewachte „M9“ Ende 2018 seelenruhig seinen Riss im Stadtwald von Hann. Münden, während zahlreiche Neugierige an ihm vorbei defilierten. Das Verhalten gegenüber Menschen ist von Tier zu Tier unterschiedlich. Andere Luchse gehen Zweibeinern lieber aus dem Weg.

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