Gut vier Jahre nach dem ersten Nachweis konnte in Hessen erneut ein Goldschakal dokumentiert werden. Am 6. November war der seltene Zuwanderer bei Romrod (Vogelsbergkreis) in den Sensorbereich einer Fotofalle geraten, die an einem gerissenen Mufflon installiert war. Die Kamera sollte im Rahmen des Monitorings des Landesamts für Naturschutz klären, welcher Beutegreifer das Wildschaf getötet hatte. Vermutet wurde ein Wolf.
In den nächsten Tagen zeigte sich dann auch ein Wolf am Riss, der vermutlich auf sein Konto ging. Der Schakal war wohl nur ein „Nachnutzer“, ebenso wie Fuchs und Waschbär, die dort abgelichtet wurden.
Eine eindeutige Identifizierung des „Täters“ durch DNA-Spuren am tödlichen Kehlbiss war nicht mehr möglich, da die Nutzung des Kadavers weit fortgeschritten war. Der Kehlbereich war nicht mehr vorhanden. Die Größe des Beutetieres legt allerdings nahe, dass es von einem Wolf gerissen wurde und nicht von einem Goldschakal, der kleinere Tiere bevorzugt.
Der erste hessische Nachweis eines Goldschakals gelang im August 2015 bei Schlitz im Vogelsberg. Das wolfsähnliche Tier wurde von einem Jäger fotografiert. Das Umweltministerium vermutete damals eine Zuwanderung aus Süddeutschland. Das könnte auch für das bei Romrod aufgetauchte Tier gelten. Zumindest gab es in diesem Sommer einen Fotonachweis im Landkreis Reutlingen (Baden-Württemberg).
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Canis aureus liegt in den Balkanländern. Von dort wandern Einzeltiere seit Ende der achtziger Jahre immer wieder Richtung Norden und Westen. In Österreich konnte ein Goldschakal erstmals 1987 nachgewiesen werden. 1996 streifte das erste Tier durch Brandenburg und 2012 geriet ein Goldschakal in eine Fotofalle im Bayerischen Wald. In Italien, Tschechien, Ungarn und Kroatien wurden in den letzten Jahren stabile Bestände belegt. Wandernde Einzeltiere haben mittlerweile die Niederlande, Dänemark und das Baltikum erreicht. Der bislang nördlichste Nachweis gelang im Juli 2019 in Finnland.



