Luchs „M9“ an der Landesgrenze

Spaziergänger hatten die Luchsbeauftragte alarmiert. Oben im Wald läge ein „unfreundlicher Luchs“ direkt neben dem Weg, der alle Leute mit Hunden aggressiv anfauche. Und das an einem friedvollen Sonntagmorgen im Dezember 2018, einen Tag vor Heiligabend. Über Facebook gab es schon erste Fotos und der Aufmarsch der Neugierigen hielt an.

Luchs „Pu“ im Stadtwald bei Hann. Münden (Foto: Petra Walter)

Der Ort der Aufregung lag im Stadtwald von Hann. Münden (Niedersachsen), ganze 30 Meter von der hessischen Grenze entfernt. „Der Luchs schien sehr gelangweilt“, so die Luchsbeauftragte Petra Walter, Revierleiterin bei HessenForst, die praktischerweise in Münden zuhause ist. „Er döste im Wegedreieck zweier Hauptspazierwege, gähnte ab und zu herzhaft, streckte sich gelegentlich und wedelte freundlich mit dem Stummelschwanz. Nicht ohne Starallüren – wie mir schien. Eine Distanz von 10 Meter Entfernung zu den Menschen beunruhigten ihn nicht sonderlich. Lediglich aufdringliche Hunde brachten ihn in Wallung und führten zu Scheinangriffen.“

Luchs „Pou“ mit Senderhalsband im Stadtwald bei Hann. Münden (Foto: Petra Walter)
Reh-Riss im Stadtwald bei Hann. Münden (Foto: Petra Walter)
Luchs „Pou“ im Stadtwald bei Hann. Münden (Foto: Petra Walter)

Der Luchs hatte einen guten Grund, dort zu sein. Er bewachte ein frisch gerissenes Reh, das er mit Laub abgedeckt und so nahezu unsichtbar gemacht hatte. Seine Ohrmarke und sein Senderhalsband legten nahe, dass er aus dem Harz zugewandert war. Ole Anders vom Luchsprojekt Harz wurde hinzugezogen und identifizierte das Tier als Kuder „M9“, der am 6. Dezember 2018 bei Seesen (Harz) zum zweiten Mal besendert worden war. Bereits 2016 war er in Nordhessen in etliche Fotofallen geraten und wurde damals „Pou“ getauft. Kurz danach konnte er bei Hedemünden (Niedersachsen) erstmals mit einem Sender versehen werden. Seit damals führt ihn das Luchsprojekt Harz als „M9“. Irgendwann verlor „Pou/M9“ dann dieses erste Senderhalsband und geriet aus dem Blick.

Nun stand er kurz vor seiner Rückkehr nach Hessen und um ihn herum die aufgeregten Spaziergänger und Hobbyfotografen. Um die Situation im Mündener Stadtwald zu beruhigen, entschied man schließlich, den Riss an eine nahe, aber unzugängliche Stelle zu verlegen, an der „Pou“ die Chance hatte, ihn erneut in Besitz zu nehmen.

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