Im November 2010 begegnete eine Jägerin bei einer Bewegungsjagd im südlichen Landkreis Kassel einer Luchsin, die drei Junge führte. Die Jungluchse seien etwa „terriergroß“ gewesen. Die Gruppe war nur 50 Meter entfernt und ließ sich problemlos 5 Minuten lang beobachten. Jagdhunde, die wenig später vorbeikamen, reagierten auf die frischen Luchsfährten überhaupt nicht. Das hat nicht nur die Jägerin verwundert. Die räumliche Nähe zu jener Luchsin mit zwei Jungtieren, die einige Wochen zuvor im angrenzenden Werra-Meißner-Kreis einem Radfahrer über den Weg liefen, lässt vermuten, dass es sich in beiden Fällen um dieselbe „Luchsfamilie“ gehandelt hat. Vermutlich war damals das dritte Jungtier bereits über dem Weg, als der Radfahrer vorbeikam.
Da beide Begegnungen im Streifgebiet von M2 stattfanden, steht es Romantikern natürlich frei, hier die Gefährtin des eingewanderten Harzluchses mit seinen hessisch-niedersächsischen Sprösslingen zu vermuten. Allerdings gibt es dafür keine wirklichen Belege. Zumal wir vom Nationalpark Harz wissen, dass M2 im Frühling 2008 geboren wurde, also zur Ranzzeit im Februar 2010 noch nicht einmal zweijährig war. Laut Fachliteratur werden Luchse erst in ihrem dritten Winter geschlechtsreif.
Zudem wurde im gleichen Gebiet ein weiterer Luchs gesehen. Dieses Tier war ohne jede Fleckung und eben auch ohne Halsband. „Ich war mit unserer Dackelhündin unterwegs,“ schreibt die Beobachterin, „als ich ein tiefes Brummen hörte. Nur wenige Meter vom Wegesrand entfernt sah ich den sitzenden Luchs. Ich vergrößerte die Distanz, bis das Brummen aufhörte. Überrascht war ich, dass der Luchs so eine geringe Fluchtdistanz hatte. Im Abstand von 15-20 Metern konnten Distel und ich ihn in aller Ruhe betrachten und der Luchs uns, sicherlich fünf Minuten lang. Dann stand das Tier auf und verschwand.“
Natürlich ist nicht auszuschließen, dass es sich bei diesem „brummenden“ Tier um eben jene Luchsin gehandelt hat, die ihre (verborgenen) Jungen vor Dackel und Frauchen schützen wollte. Es könnte aber auch ein weiterer männlicher Luchs gewesen sein, der das Streifgebiet des eingewanderten Harzluchses (zumindest kurzfristig) tangiert hat. In jedem Fall müssen die drei Jungtiere nicht zwangsläufig die Nachkommen von M2 sein.