
Der Luchs erlegt seine Beute zumeist durch einen einzigen Biss in die Kehle („Drosselbiss“), den er häufig direkt unter dem Unterkiefer anbringt.
Seine beiden Eckzähne bohren sich in den Bereich der Luftröhre. Die Kiefer drücken zu und die Beute stirbt innerhalb kurzer Zeit durch Schock und Luftmangel.
Der Abstand zwischen den Eckzähnen beträgt 3 bis 3,5 cm. Doch die Einbiss-Löcher sind schwer zu finden, da sie zumeist vom Fell des Beutetieres verdeckt werden. Um den Biss des Luchses sicher zu bestätigen, empfiehlt es sich, an der vermuteten Bissstelle die Haare mit einem scharfen Messer flächig abzuschaben oder die Haut vom Wildkörper zu lösen. Dann kann man die Bisslöcher gewissermaßen „von innen“ feststellen.
Bei einem Luchsriss findet sich ausschließlich im Bereich des Drosselbisses eine deutliche Unterhautblutung (Bluterguss). Sind Blutergüsse an vielen Stellen des Wildkörpers auszumachen, dann waren Hunde am Werk.
Die Krallen des Luchses können tiefe und lange Kratzspuren auf der Haut des Beutetieres hinterlassen.
Hundekrallen dagegen sind stumpf und kaum in der Lage die Oberhaut zu ritzen.
Das erbeutete Wild wird während des Drosselbisses am Boden gehalten. Vom Luchs gerissenes Schalenwild (Rehe, schwache Hirschkälber) weist deshalb häufig einen stark nach hinten gestreckten Träger (Hals) auf.
In Gebieten mit geringer Beutedichte gehören gelegentlich auch junge Wildschweine ( Frischlinge) zu seinem Nahrungsspektrum. Ihr Anteil liegt dort bei 4 – 8 %.


Luchse bevorzugen Muskelfleisch. Sie schneiden daher häufig ihre Beute zuerst an den Keulen (hintere Oberschenkel), am Träger (Hals) oder am Schulterblatt an.
Der Luchs schält das Fleisch sauber vom Skelett und hinterlässt es zumeist zusammenhängend und vollständig. Auch der Verdauungstrakt bleibt unversehrt. Ist dies nicht der Fall, kann dennoch ein Luchsriss vorliegen. Möglicherweise haben sich bereits andere Beutegreifer oder auch Wildschweine an Magen und Darm gütlich getan.
Gerade an älteren Rissen findet man bisweilen die Spuren mehrerer Beutegreifer und Aasfresser, die eindeutige Hinweise auf den Luchs verwischen können.
In den ersten 3 – 5 Tagen kehrt der Luchs immer wieder zur Beute zurück um zu fressen.
Er schützt das Beutetier vor der fleischfressenden Konkurrenz indem er es zumeist „verblendet“: Der Luchs scharrt Erde, Laub, Zweige oder Schnee über den Wildkörper. Manchmal wird das Beutetier nur ansatzweise, oft aber auch vollständig zugedeckt. Das macht nur der Luchs. Ein verblendetes Reh ist also ein eindeutiger Nachweis.
Füchse und Hunde schneiden ein Reh (oder ein anderes Huftier) sehr oft im Bauchbereich an. Im Gegensatz zum Luchs fressen sie auch den Verdauungstrakt. Häufig wird er zunächst geöffnet, um an den vegetarischen Inhalt zu gelangen. Auch so könnte also ein Riss angetroffen werden.


Kein Luchs im Spiel:
Dieses Shetland-Fohlen wurde im Juni 2006 auf einer Weide im Burgwald gerissen. Das typische Rissbild bei Caniden (Hund, Wolf, Fuchs): das Beutetier wurde im Bauchbereich angeschnitten, der Verdauungstrakt bereits vollständig gefressen.
Pfoten-Abdrücke am Riss stammten denn auch von einem großen Hund. Das entsprechende Foto findet sich im Abschnitt „Trittsiegel“ (Bild 4).
Fehlt dem Beutetier der Kopf, war meist ein Fuchs als „Zweitverwerter“ beteiligt. Füchse schleppen Beuteteile gerne an einen ruhigen Platz, um dort zu fressen oder legen Vorräte an. Sie nehmen daher nur kleinere Stücke, die sie im Fang (Maul) transportieren können.
Verstreut liegende Innereien und Skelettreste gehen auf Füchse und wildernde Hunde zurück.
Das abgebildete Reh wurde (ursprünglich) von einem Luchs gerissen. Das belegten eindeutige Trittsiegel in der Nachbarschaft.
