Der Luchs, der sich im Spätsommer im östlichen Taunus ohne große Scheu im Siedlungsraum zeigte, konnte durch das Luchsprojekt Harz anhand von Vergleichsfotos identifiziert werden. Es handelt sich mit großer Sicherheit um den männlichen Luchs M12, der aus der Harzpopulation stammt. Anfang September wurde er am Ortsrand von Oberursel (Hochtaunuskreis) auf dem Sportplatz der Frankfurt International School angetroffen, wo er sehr entspannt in der Sonne lag und trotz vieler Schaulustiger zunächst wenig Anstalten machte, den Rasen wieder zu verlassen. Erst eine behutsame „Scheuchaktion“ von Polizisten konnte ihn in Bewegung setzen. Schließlich verschwand er im nahen Wald. Bei der Begegnung gelangen zahlreiche Aufnahmen.
In den Wochen danach wurde der Luchs mehrfach zwischen Oberursel und Königstein auf Waldwegen und in Gärten beobachtet.
M12 ist nicht zum ersten Mal in Hessen. Im April 2018 war er bei Bad Pyrmont (Niedersachsen) vom Luchsprojekt Harz mit einem GPS-Sender versehen worden. Nach einem Abstecher nach Nordrhein-Westfalen überquerte er Mitte August 2018 bei Diemelstadt die hessische Landesgrenze. Er bewegte sich konsequent nach Süden bis nach Mittelhessen. Zuletzt konnte er im November 2018 im Vogelsberg geortet werden. Danach verlor sich seine Spur, da der Halsbandsender ausfiel. Später konnte er im nördlichen Baden-Württemberg durch Fotos nachgewiesen werden. Auch sein abgestreiftes Senderhalsband wurde dort gefunden. Er war demnach über 200 km (Luftlinie) gewandert.
Ab Januar 2020 war M12 dann wieder in Hessen unterwegs. Das belegten Genspuren an Rissen im Wildpark „Alte Fasanerie“ bei Hanau. Offenbar war das Tier in der Paarungszeit von den Gehege-Luchsen im Wildpark angelockt worden. M12 fiel auch dort durch seine geringe Distanz zu Menschen auf. Der Luchs wurde bis Juni 2020 immer wieder im Wildpark und seinem Umfeld gesehen. Im Juli wurde dann eine Luchs-Sichtung am Taunusrand bei Butzbach (Wetteraukreis) gemeldet.
Die Vermutung liegt nahe, dass dieses Tier damals M12 war, der zum ersten Mal in der Region beobachtet wurde. Der Luchs hatte offenbar das dicht besiedelte Rhein-Main-Gebiet durchquert. Auch jenes Tier, das dann im August in einem Steinbruch bei Friedrichsdorf und im Stadtwald von Rosbach dokumentiert wurde, dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit M12 gewesen sein.