Der erste Totfund in Hessen

Anfang Oktober 2011 wurde bei Söhrewald ein verendeter Luchs gefunden. Der Größe nach handelte es sich um ein ausgewachsenes Tier. Die wenig entwickelten Hoden legten jedoch nahe, dass es ein junger Luchskuder in seinem zweiten Lebensjahr war. Das Tier lag vermutlich schon eine Woche im Wald. Als Todesursache ermittelte die Universität Gießen akutes Herz-Kreislaufversagen als Folge einer massiven Abmagerung, einer sogenannten Kachexie. Der Luchs wog nur noch 15 kg. Seinem Alter entsprechend, wären um die 20 kg zu erwarten gewesen.

Die Einwirkung äußerer Gewalt, etwa durch einen Verkehrsunfall oder eine Schussverletzung, wurde ausgeschlossen. Es gab auch keinen Hinweis auf Cumarin (Rattengift), mit dem „Hundehasser“ gewöhnlich Fleischbrocken und Wurststücke präparieren. Die Ursache für die Auszehrung des Tieres konnte allerdings nicht geklärt werden. An den inneren Organen wurden keine Erkrankungen gefunden, die erklären könnten, warum der Magen-Darm-Trakt nahezu „futterleer“ war. Der Luchs war offenbar in seinen letzten Lebenstagen nicht mehr im Stande zu jagen. Kachexie tritt bei Wildtieren häufig dann auf, wenn der Darm stark von Parasiten befallen ist. Bei dem toten Luchs war dies nicht der Fall.

Aus der Fachliteratur wissen wir, dass für junge Luchse das erste Jahr nach der Trennung von der Mutter eine riskante Lebensphase ist. Dann sind die Tiere auf Suche nach einem eigenen Revier und legen große Strecken auf unbekanntem Terrain zurück. Offenbar sind sie dann auch anfällig für eine Vielzahl von Krankheiten. Nur ein Viertel der Jungluchse übersteht diese Zeit.

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